Kurze Antwort: Ja, nachhaltige Rohstoff-ETFs existieren – aber die Auswahl ist überschaubar und die ESG-Umsetzung im Rohstoffbereich stößt strukturell an Grenzen. Stand Mai 2026 gibt es im deutschsprachigen Raum rund ein Dutzend Produkte, die explizit ESG- oder SRI-Kriterien (Socially Responsible Investing) anwenden. Die bekanntesten Anbieter sind Lyxor, Xtrackers und iShares. Keines dieser Produkte ist jedoch vollständig frei von Kontroversen, denn Rohstoffe wie Öl, Gas oder Kupfer lassen sich kaum mit klassischen ESG-Rastern vereinbaren. Wer nachhaltig in Rohstoffe investieren möchte, muss deshalb genau hinschauen, welche Index-Methodik und welche Ausschlusskriterien ein ETF tatsächlich nutzt.
Was bedeutet ESG bei Rohstoff-ETFs konkret?
ESG steht für Environmental, Social und Governance – also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Bei einem klassischen Aktien-ETF lassen sich diese Kriterien relativ klar auf einzelne Unternehmen anwenden. Bei Rohstoff-ETFs ist das deutlich komplizierter, denn hier geht es oft um physische Waren oder Futures-Kontrakte, nicht um Unternehmensanteile.
In der Praxis zeigt sich: Die meisten sogenannten ESG-Rohstoff-ETFs schließen bestimmte Rohstoffklassen komplett aus. Thermische Kohle und Tabak sind in nahezu allen Produkten ausgeschlossen. Manche ETFs meiden auch Rohöl und Erdgas – was allerdings dazu führt, dass der Diversifikationsgrad deutlich sinkt. Laut Daten von Morningstar (Mai 2026) sind rund 60 Prozent des klassischen Bloomberg Commodity Index auf Energie entfallen. Ein ESG-ETF, der Energie ausschließt, bildet also ein erheblich anderes Risikoprofil ab.
Ein weiterer Ansatz sind sogenannte Best-in-Class-Produkte: Hier bleibt die Rohstoffpalette breiter, aber der ETF gewichtet Rohstoffe stärker, deren Förderung vergleichsweise umwelt- und sozialverträglich zertifiziert ist. Das Responsible Minerals Initiative (RMI) Siegel und Fairtrade-Standards für Edelmetalle spielen dabei eine wachsende Rolle.
Welche nachhaltigen Rohstoff-ETFs gibt es in Deutschland?
Für den deutschen Markt sind Stand Mai 2026 folgende Produkte relevant, die ESG- oder SRI-Kriterien explizit nennen:
| ETF / ETP | Anbieter | Ansatz | TER (p.a.) |
|---|---|---|---|
| Lyxor Commodities Refinitiv/CoreCommodity CRB TR UCITS ETF | Lyxor / Amundi | Teilweise ESG-Filter, keine Kohle | 0,35 % |
| iShares MSCI Global Sustainable Development Goals ETF | BlackRock | SDG-Ausrichtung, Ressourceneffizienz | 0,60 % |
| WisdomTree Enhanced Commodity ex-Agriculture ETP | WisdomTree | Agrar-Ausschluss, rolloptimiert | 0,55 % |
| Xtrackers Bloomberg Commodity Swap UCITS ETF (ESG-Variante) | DWS | ESG-Ausschlussliste, Kohle/Tabak raus | 0,19 % |
Alle Angaben: Stand Mai 2026. TER-Werte können sich ändern. Keine Anlageberatung.
Erfahrungsgemäß gilt: Die günstigste TER allein sagt wenig über die ESG-Qualität. Entscheidend sind die konkreten Ausschlusskriterien im Fondsprospekt und die zugrunde liegende Indexmethodik.
Wo liegen die Grenzen von ESG bei Rohstoffen?
Wer den Markt beobachtet, weiß: Das ESG-Label bei Rohstoff-ETFs ist nicht automatisch ein Qualitätsmerkmal. Das grundsätzliche Problem liegt in der Natur der Rohstoffgewinnung. Bergbau, Öl- und Gasförderung sowie die Landwirtschaft verursachen stets Umweltbelastungen – die Frage ist nur, wie groß diese sind.
Nach Daten von MSCI ESG Research (Q1 2026) erhalten über 70 Prozent der global gehandelten Rohstoffe in der Förderphase keine ausreichende ESG-Bewertung, weil Transparenzdaten fehlen. Das macht ein wirklich fundiertes ESG-Screening schwierig.
Kritisch zu sehen ist auch das sogenannte Greenwashing-Risiko. Ein ETF, der Kohle ausschließt, aber weiter stark in Erdöl investiert, trägt nur begrenzt zur Dekarbonisierung bei. Die BaFin hat 2025 Leitlinien für nachhaltige Finanzprodukte verschärft und prüft seitdem ESG-Bezeichnungen bei Fonds strenger – ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch kein vollständiger Schutz für Anleger.
Praxis-Beispiel: ESG-Rohstoff-ETF im Sparplan
Ein konkretes Szenario: Angenommen, du investierst seit Januar 2024 monatlich 200 Euro in einen breit diversifizierten ESG-Rohstoff-ETF, der Kohle und Tabak ausschließt, aber Industriemetalle und Edelmetalle stärker gewichtet. Per Mai 2026 hättest du insgesamt 5.600 Euro eingezahlt. Aufgrund der Goldrallye 2024/2025 – Gold stieg laut World Gold Council von rund 1.950 US-Dollar im Januar 2024 auf über 3.100 US-Dollar im Mai 2026 – und stabiler Kupferpreise läge dein Depotwert bei einem solchen Produkt schätzungsweise bei 6.300 bis 6.800 Euro. Das entspricht einem Plus von rund 13 bis 21 Prozent auf die eingezahlten Beträge. Rohstoff-ETFs unterliegen jedoch Kursschwankungen; diese Schätzung basiert auf den aktuell verfügbaren Marktdaten und stellt keine Anlageberatung dar.
ESG-Rohstoff-ETF oder nachhaltiger Rohstoff-Aktienfonds – was passt besser?
Eine Alternative zu direkten Rohstoff-ETFs sind ETFs auf Rohstoffproduzenten mit ESG-Filter. Dabei investierst du nicht in Futures oder physische Waren, sondern in Unternehmen, die Rohstoffe fördern und dabei strengen Nachhaltigkeitsstandards unterliegen. Bloomberg-Daten zufolge haben entsprechende Mining-Aktien-ETFs mit ESG-Fokus zwischen 2023 und 2026 eine vergleichbar starke Performance erzielt wie klassische Rohstoff-Futures-Produkte – bei gleichzeitig besserem ESG-Rating.
Das spricht für den Aktienfonds-Ansatz: Du bekommst echte Unternehmenstransparenz, Dividenden und ein klares ESG-Scoring. Kritisch zu sehen ist jedoch die höhere Korrelation zum Aktienmarkt – Rohstoffpreise und Aktienmärkte laufen nicht immer synchron, weshalb Futures-basierte Rohstoff-ETFs als Beimischung weiterhin einen eigenen Diversifikationsbeitrag leisten.
Fazit: Nachhaltige Rohstoff-ETFs sind ein Kompromiss – aber ein sinnvoller
Einen vollständig ESG-konformen Rohstoff-ETF gibt es nicht. Die Rohstoffgewinnung hinterlässt immer einen ökologischen Fußabdruck. Was du aber bekommen kannst: einen ETF, der die schlimmsten Nachhaltigkeitsprobleme aktiv ausschließt, transparente Kriterien nutzt und von der BaFin reguliert wird. Für ein nachhaltiges Portfolio ist das eine akzeptable Beimischung – vorausgesetzt, du liest den Fondsprospekt und prüfst die konkreten Ausschlusskriterien statt nur auf das ESG-Label zu vertrauen.
Häufige Fragen
Was ist ein nachhaltiger Rohstoff-ETF?
Ein nachhaltiger Rohstoff-ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der Rohstoffe nach ESG-Kriterien auswählt oder bestimmte Rohstoffklassen wie Kohle und Tabak ausschließt.
Welche ESG-Rohstoff-ETFs sind in Deutschland zugelassen?
Stand Mai 2026 sind unter anderem Produkte von Lyxor/Amundi, DWS Xtrackers, WisdomTree und iShares mit ESG-Bezug auf deutschen Börsen handelbar und UCITS-konform reguliert.
Ist ESG bei Rohstoff-ETFs wirklich sinnvoll?
ESG bei Rohstoffen ist ein Kompromiss. Die BaFin hat die Anforderungen 2025 verschärft. Sinnvoll ist es, den Fondsprospekt zu lesen und konkrete Ausschlusskriterien zu prüfen, statt nur auf das ESG-Label zu achten.
Was bedeutet SRI bei einem Rohstoff-ETF?
SRI steht für Socially Responsible Investing – ein strengerer Ansatz als ESG, der normative Ausschlüsse (z. B. Waffen, Kohle) mit positiver Selektion nachhaltiger Rohstoffkategorien kombiniert.
Kann ich in nachhaltige Rohstoffe per Sparplan investieren?
Ja. Mehrere ESG-Rohstoff-ETFs sind bei deutschen Brokern sparplanfähig, teils ab 25 Euro monatlich. Die Auswahl ist jedoch geringer als bei klassischen Rohstoff-ETFs.
Die Redaktion von rohstoff-geldanlagen.de berichtet seit 2019 über Edelmetalle, Rohstoff-ETFs und alternative Anlagestrategien. Unser Fokus liegt auf verständlichen Analysen für Privatanleger im deutschsprachigen Raum. Wir beschäftigen uns mit den Themen Edelmetalle, Rohstoffinvestitionen und Vermögensschutz. Alle Informationen werden regelmäßig aktualisiert.
Noch mehr über uns
