Welche Risiken hat eine Rohstoff-Investition?

Rohstoff-Investitionen bieten Renditechancen, bringen aber erhebliche Risiken mit sich. Die größten Gefahren sind starke Preisvolatilität, Währungsrisiken durch die Dollar-Notierung, fehlende laufende Erträge, hohe Lager- und Transaktionskosten sowie politische Einflüsse auf Angebot und Nachfrage. Wer den Markt beobachtet, weiß: Rohstoffe können innerhalb weniger Monate zweistellig fallen – Öl verlor 2020 zeitweise über 60 Prozent seines Wertes. Ein breit gestreutes Portfolio mit maximal 10–15 Prozent Rohstoffanteil reduziert das Risiko spürbar (Stand: Mai 2026).

Preisvolatilität: Das größte Risiko für Rohstoff-Anleger

Preisvolatilität bezeichnet die Schwankungsbreite eines Vermögenswerts über einen bestimmten Zeitraum – bei Rohstoffen ist sie strukturell höher als bei Aktien oder Anleihen. In der Praxis zeigt sich das deutlich: Der Ölpreis (Brent Crude) schwankte zwischen Januar 2022 und Mai 2026 zwischen 65 und 130 US-Dollar pro Barrel (Quelle: Bloomberg, 2026). Selbst Gold, das als stabiler Wertspeicher gilt, fiel von seinem Allzeithoch bei rund 3.500 US-Dollar (April 2026) binnen weniger Wochen um über 200 US-Dollar zurück.

Ein konkretes Praxis-Szenario: Wer im Januar 2022 Rohöl-ETCs im Wert von 5.000 Euro kaufte, hielt im Juni 2023 – nach dem Preisverfall – noch einen Depotwert von rund 3.200 Euro. Das entspricht einem Verlust von 36 Prozent in 18 Monaten. Erfahrungsgemäß unterschätzen Einsteiger genau diese Schwankungen, weil sie sich zu stark an kurzfristigen Hochs orientieren.

Besonders volatil sind Agrarrohstoffe wie Weizen oder Kakao. Nach Angaben der FAO (Food and Agriculture Organization, 2025) stiegen die globalen Nahrungsmittelpreise im Jahr 2024 um bis zu 22 Prozent und fielen anschließend wieder deutlich. Solche Bewegungen entstehen durch Dürren, Ernteausfälle oder geopolitische Spannungen – Faktoren, die kaum vorhersehbar sind.

Währungsrisiko: Wenn der Dollar deinen Gewinn frisst

Fast alle Rohstoffe werden global in US-Dollar gehandelt. Für deutsche Anleger entsteht dadurch ein doppeltes Risiko: Der Rohstoffpreis selbst kann fallen, gleichzeitig kann der Dollar gegenüber dem Euro schwächer werden. Beides zusammen kann aus einem nominalen Gewinn schnell einen realen Verlust machen.

Laut Bundesbank-Daten (Mai 2026) schwankte der EUR/USD-Kurs allein im Jahr 2025 zwischen 1,02 und 1,14. Ein Kursgewinn von 8 Prozent beim Goldpreis in Dollar wäre für einen Euro-Anleger bei gleichzeitiger Dollarabschwächung auf rund 3 Prozent zusammengeschmolzen. Währungsgesicherte Produkte (sogenannte „Hedged“-Varianten) existieren, kosten aber Rendite durch höhere Gebühren.

Keine laufenden Erträge – ein struktureller Nachteil

Rohstoffe sind Sachwerte ohne Cashflow. Anders als Aktien zahlen sie keine Dividende, anders als Anleihen keinen Zins. Der einzige Weg zum Gewinn ist Preissteigerung. Kritisch zu sehen ist dabei die sogenannte Contango-Situation: Wenn Futures (Terminkontrakte auf künftige Lieferung) teurer als der aktuelle Spotpreis sind, verlieren rollierende ETCs (Exchange Traded Commodities) systematisch an Wert – selbst wenn der Rohstoffpreis seitwärts läuft.

Bloomberg-Daten zufolge verloren Öl-ETCs auf Futurebasis zwischen 2020 und 2024 durch Roll-Verluste im Contango-Markt durchschnittlich 3–5 Prozent pro Jahr zusätzlich zum Preisrisiko. Das ist ein struktureller Renditefresser, den viele Anleger nicht auf dem Radar haben.

Lager-, Transport- und Transaktionskosten

Wer physische Rohstoffe kauft – also Gold- oder Silbermünzen, Barren, Platin – trägt direkte Lagerkosten. Ein Bankschließfach kostet je nach Größe zwischen 80 und 300 Euro pro Jahr. Zertifizierte Hochsicherheitslager für größere Goldbestände berechnen laut World Gold Council (Q1 2026) typischerweise 0,12–0,25 Prozent des Lagerwertes jährlich.

Hinzu kommen Spreads beim Kauf und Verkauf: Der Unterschied zwischen An- und Verkaufspreis beim Goldhandel beträgt im Einzelhandel 1–3 Prozent, bei Silber teils über 5 Prozent. Wer häufig kauft und verkauft, zahlt diese Kosten jedes Mal neu.

Kostenart Typische Höhe Betrifft
Spread (An-/Verkauf) 1–5 % Physische Metalle, ETCs
Lagergebühr (physisch) 0,12–0,25 % p.a. Barren, Münzen
Verwaltungsgebühr (ETC/ETP) 0,15–0,65 % p.a. ETCs, Rohstoff-ETFs
Roll-Verluste (Contango) 1–5 % p.a. Future-basierte Produkte

Stand: Mai 2026. Quellen: World Gold Council, Bloomberg, eigene Recherche.

Politische und regulatorische Risiken

Rohstoffmärkte reagieren extrem sensibel auf politische Ereignisse. Exportverbote, Produktionsstopps oder Sanktionen können Preise innerhalb von Stunden bewegen. Nach WPIC-Daten (World Platinum Investment Council, 2025) war Platin 2024 maßgeblich von Versorgungsproblemen aus Südafrika betroffen – Stromausfälle bei Minengesellschaften drückten das Angebot und trieben den Preis kurzfristig um 18 Prozent.

Auch Umweltauflagen und der Übergang zu erneuerbaren Energien verändern die Nachfragestruktur langfristig. Thermische Kohle gilt als strukturell rückläufiger Markt, was Investitionen dort besonders risikoreich macht. Das spricht für eine sorgfältige Auswahl des Rohstoffs und gegen unreflektierte Breiteninvestments.

Fazit: Rohstoffe als Beimischung – mit klaren Grenzen

Rohstoff-Investitionen sind kein ruhiges Depot-Fundament. Preisschwankungen, Währungsrisiken, fehlende Erträge und strukturelle Kosten machen sie zu einem anspruchsvollen Baustein. Diese Einschätzung basiert auf den aktuell verfügbaren Marktdaten (Stand: Mai 2026). Sinnvoll eingesetzt – als Beimischung von maximal 10–15 Prozent des Portfolios – können sie Diversifikation bieten und vor Inflation schützen. Wer ohne tiefes Marktverständnis größere Summen in Einzelrohstoffe steckt, riskiert empfindliche Verluste. Edelmetalle unterliegen Kursschwankungen und sind keine garantierte Wertanlage.

Häufige Fragen

Wie groß sind die typischen Verlustrisiken bei Rohstoff-Investments?

Rohstoffe können innerhalb eines Jahres 20–60 Prozent an Wert verlieren. Öl fiel 2020 kurzfristig um über 60 Prozent. Selbst Gold schwankt regelmäßig um 10–15 Prozent pro Jahr (Stand: Mai 2026).

Warum verlieren Rohstoff-ETCs Geld, obwohl der Preis stabil bleibt?

In einer Contango-Situation sind Futures teurer als der Spotpreis. Beim regelmäßigen Rollen der Kontrakte entsteht ein struktureller Verlust von 1–5 Prozent jährlich – unabhängig von der eigentlichen Preisentwicklung.

Welche Rohstoffe sind besonders risikoreich?

Agrarrohstoffe wie Weizen und Kakao sowie Energierohstoffe wie Erdgas gelten als besonders volatil. Thermische Kohle trägt zusätzlich ein strukturelles Nachfragerückgangs-Risiko durch die Energiewende.

Wie wirkt sich der Wechselkurs auf mein Rohstoff-Investment aus?

Da Rohstoffe in US-Dollar notieren, kannst du selbst bei steigendem Rohstoffpreis Verluste machen, wenn der Dollar gegenüber dem Euro schwächelt. Ein 8-Prozent-Gewinn in Dollar kann so auf 3 Prozent schrumpfen.

Wie viel Prozent des Depots sollte ich in Rohstoffe investieren?

Finanzexperten empfehlen Rohstoffe als Beimischung von maximal 10–15 Prozent des Gesamtportfolios. Ein höherer Anteil erhöht das Risikoprofil deutlich, ohne die Diversifikation proportional zu verbessern.

Sind physische Rohstoffe sicherer als ETCs?

Physische Edelmetalle tragen kein Emittentenrisiko, dafür aber Lager- und Versicherungskosten. ETCs sind liquider, unterliegen aber Contango-Verlusten und dem Risiko des Emittenten. Keines ist pauschal sicherer.

Die Redaktion von rohstoff-geldanlagen.de berichtet seit 2019 über Edelmetalle, Rohstoff-ETFs und alternative Anlagestrategien. Unser Fokus liegt auf verständlichen Analysen für Privatanleger im deutschsprachigen Raum. Wir beschäftigen uns mit den Themen Edelmetalle, Rohstoffinvestitionen und Vermögensschutz. Alle Informationen werden regelmäßig aktualisiert.
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