Rohstoffindizes: Definition, Übersicht und Nutzung für ETFs

Ein Rohstoffindex bildet die Preisentwicklung eines Korbs aus verschiedenen Rohstoffen ab – ähnlich wie der DAX Aktien abbildet. Anleger nutzen diese Indizes, um die Wertentwicklung von Energie, Metallen oder Agrarprodukten auf einen Blick zu verfolgen. Die bekanntesten Rohstoffindizes sind der S&P GSCI, der Bloomberg Commodity Index (BCOM), der Reuters/Jefferies CRB Index und der Rogers International Commodity Index (RICI). Jeder dieser Indizes gewichtet Rohstoffe unterschiedlich und verfolgt damit eine eigene Strategie. Wer als Privatanleger in Rohstoffe investieren möchte, kommt an diesen Indizes kaum vorbei – denn die meisten Rohstoff ETFs auf Basis von Indizes replizieren genau diese Benchmarks. Der folgende Artikel erklärt, wie Rohstoffindizes aufgebaut sind, wie sie berechnet werden und welcher Index für welchen Zweck geeignet ist.

Was sind Rohstoffindizes?

Rohstoffindizes sind Kennzahlen, die die durchschnittliche Preisentwicklung einer definierten Gruppe von Rohstoffen messen. Sie funktionieren nach demselben Grundprinzip wie Aktienindizes: Ein Komitee oder ein Regelwerk legt fest, welche Rohstoffe in welcher Gewichtung enthalten sind. Der Indexstand steigt, wenn die enthaltenen Rohstoffe teurer werden, und fällt, wenn die Preise sinken.

Im Unterschied zu Aktien werden Rohstoffe jedoch an Terminmärkten gehandelt. Das bedeutet, die meisten Rohstoffindizes basieren nicht auf Spotpreisen, sondern auf Futures-Kontrakten. Wenn ein Kontrakt ausläuft, wird er durch einen neuen ersetzt – dieser Vorgang heißt Rollover. Dabei können Rollkosten entstehen, die die Rendite belasten oder – bei günstiger Marktstruktur – sogar erhöhen.

Rohstoffindizes lassen sich grob in drei Kategorien unterteilen:

  • Breit diversifizierte Indizes – enthalten Energie, Metalle und Agrarprodukte (z. B. BCOM, S&P GSCI)
  • Sektorindizes – fokussieren auf einen Bereich wie Edelmetalle oder Energie
  • Einzelrohstoff-Indizes – bilden nur einen Rohstoff ab, etwa Gold oder Öl

Für einen ersten Überblick, welche Rohstoffgruppen es gibt, lohnt sich ein Blick auf die Rohstoffarten im Überblick.

Die wichtigsten Rohstoffindizes im Vergleich

Reuters/Jefferies CRB Index

Der CRB Index ist einer der ältesten Rohstoffindizes der Welt – er wurde 1957 vom Commodity Research Bureau entwickelt. In seiner aktuellen Form enthält er 19 Rohstoffe, aufgeteilt in vier Gruppen mit unterschiedlichen Gewichtungen. Energie macht rund 39 % aus, Agrarprodukte wie Mais, Soja und Weizen folgen mit etwa 41 %, Metalle und Edelmetalle bilden den Rest. Der CRB gilt als breiter Marktindikator und wird oft zitiert, wenn es darum geht, allgemeine Rohstofftrends zu beschreiben.

S&P GSCI (Goldman Sachs Commodity Index)

Der S&P GSCI ist stark energielastig. Rohöl, Heizöl und Erdgas machen zusammen rund 54 % des Index aus (Stand März 2026). Damit reagiert der Index sehr sensibel auf Ölpreisschwankungen. Die Gewichtung richtet sich nach der weltweiten Produktionsmenge der einzelnen Rohstoffe – wer viel produziert wird, bekommt mehr Gewicht. Das macht den S&P GSCI zu einem realistischen Abbild der globalen Rohstoffproduktion, aber auch zu einem volatilen Index.

Bloomberg Commodity Index (BCOM)

Der Bloomberg Commodity Index ist bewusst breiter aufgestellt als der S&P GSCI. Kein einzelner Sektor darf mehr als 33 % und kein einzelner Rohstoff mehr als 15 % des Index ausmachen. Energie liegt bei etwa 30 %, Agrarprodukte bei rund 29 %, Metalle bei etwa 28 %. Diese ausgewogenere Struktur macht den BCOM für viele Anleger attraktiver. Er enthält rund 23 Rohstoffe und gilt als gut diversifizierter Einstiegspunkt in den Rohstoffmarkt.

Rogers International Commodity Index (RICI)

Der RICI wurde vom Investor Jim Rogers entwickelt und enthält mit 38 Rohstoffen deutlich mehr Titel als seine Konkurrenten. Besonderes Merkmal: Er berücksichtigt auch Rohstoffe aus Schwellenländern, die in anderen Indizes fehlen – etwa Reis, Kautschuk oder Baumwolle in größerem Umfang. Energie macht etwa 44 % aus. Der RICI ist weniger bekannt, wird aber von einigen spezialisierten ETFs und Zertifikaten genutzt.

Wie werden Rohstoffindizes berechnet?

Die Berechnung unterscheidet sich je nach Indextyp. Grundsätzlich gilt: Der Indexstand ergibt sich aus den gewichteten Preisen der enthaltenen Terminkontrakte. Dabei spielen drei Faktoren eine Rolle:

  1. Spotrendite: Preisveränderung des zugrunde liegenden Rohstoffs
  2. Rollrendite: Gewinn oder Verlust beim Wechsel von einem ablaufenden in einen neuen Futures-Kontrakt
  3. Collateral-Rendite: Zinsen auf die als Sicherheit hinterlegten Mittel (meist kurzlaufende Staatsanleihen)

In Phasen von Contango – wenn Futures-Preise über dem aktuellen Spotpreis liegen – entstehen negative Rollrenditen. In Backwardation verhält es sich umgekehrt: Der Rollvorgang erzeugt eine positive Rendite. Diese Mechanik ist entscheidend für die tatsächliche Wertentwicklung eines Rohstoff-Investments und wird häufig unterschätzt.

Indexanbieter überprüfen die Zusammensetzung ihrer Indizes regelmäßig – meist jährlich oder quartalsweise – und passen Gewichtungen bei Bedarf an.

Rohstoffindizes als Grundlage für ETFs

Für Privatanleger sind Rohstoffindizes vor allem deshalb relevant, weil sie die Grundlage für handelbare Produkte bilden. ETFs, ETC und Zertifikate bilden häufig genau diese Indizes nach. Wer etwa einen ETF auf den Bloomberg Commodity Index kauft, investiert indirekt in alle 23 enthaltenen Rohstoffe gleichzeitig – ohne physische Lagerung, ohne Futures-Konto.

Die Wahl des Index hat dabei erhebliche Auswirkungen auf die Rendite. Ein S&P GSCI-ETF entwickelt sich in Phasen hoher Ölpreise deutlich besser als ein BCOM-ETF – und deutlich schlechter, wenn Energie schwächelt. Mehr dazu, wie Anleger konkret von Indizes profitieren können, erklärt der Artikel Rohstoff ETFs auf Basis von Indizes.

Neben ETFs gibt es auch eine weitere Möglichkeit, von steigenden Rohstoffpreisen zu profitieren: über Unternehmen, die Rohstoffe fördern oder verarbeiten. Wie Rohstoffaktien in Indizes eingebunden werden, ist ein eigenes Thema – sie sind in den klassischen Rohstoffindizes übrigens nicht enthalten, da diese ausschließlich physische Rohstoffe oder Futures abbilden.

Wer den breiten Einstieg sucht, findet eine gute Orientierung im Überblicksartikel In Rohstoffe investieren – der Überblick.

Fazit

Rohstoffindizes sind das Fundament jedes regelbasierten Rohstoffinvestments. CRB, S&P GSCI, Bloomberg Commodity Index und RICI verfolgen unterschiedliche Ansätze – von energielastig bis breit diversifiziert. Die Wahl des richtigen Index hängt von der eigenen Anlagestrategie ab: Wer breite Diversifikation sucht, liegt mit dem BCOM besser. Wer gezielt auf Energie setzen will, findet im S&P GSCI ein geeignetes Instrument. Für Privatanleger ist entscheidend, dass fast alle gängigen Rohstoff-ETFs auf diesen Indizes basieren – die Indexauswahl ist damit gleichzeitig eine Produktentscheidung.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlageberatung dar. Investitionen in Rohstoffe und Edelmetalle sind mit Verlustrisiken verbunden. Bitte konsultieren Sie bei Bedarf einen zugelassenen Finanzberater. Stand: April 2026.

Häufige Fragen

Was ist der bekannteste Rohstoffindex?

Der S&P GSCI und der Bloomberg Commodity Index (BCOM) sind weltweit am bekanntesten und am häufigsten als Basis für Rohstoff ETFs genutzt.

Wie unterscheiden sich S&P GSCI und Bloomberg Commodity Index?

Der S&P GSCI ist stark energielastig mit ca. 54 % Energieanteil. Der BCOM ist breiter diversifiziert und begrenzt jeden einzelnen Sektor auf maximal 33 % Gewichtung.

Können Privatanleger direkt in Rohstoffindizes investieren?

Nicht direkt. Über ETFs, ETCs oder Zertifikate, die einen Rohstoffindex nachbilden, ist ein Investment für Privatanleger aber problemlos und kostengünstig möglich.

Was bedeutet Rollrendite bei Rohstoffindizes?

Rollrendite entsteht beim Tausch auslaufender Futures-Kontrakte. In Contango-Märkten ist sie negativ, in Backwardation positiv und beeinflusst die tatsächliche ETF-Rendite spürbar.

Wie oft werden Rohstoffindizes angepasst?

Die meisten großen Rohstoffindizes werden jährlich oder quartalsweise überprüft und bei veränderten Produktionsmengen oder Handelsvolumina entsprechend neu gewichtet.

Die Redaktion von rohstoff-geldanlagen.de berichtet seit 2019 über Edelmetalle, Rohstoff-ETFs und alternative Anlagestrategien. Unser Fokus liegt auf verständlichen Analysen für Privatanleger im deutschsprachigen Raum. Wir beschäftigen uns mit den Themen Edelmetalle, Rohstoffinvestitionen und Vermögensschutz. Alle Informationen werden regelmäßig aktualisiert.
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