Ein Rohstoffindex ist ein Börsenindex, der die Preisentwicklung eines Korbs aus verschiedenen Rohstoffen abbildet. Ähnlich wie der DAX Aktien bündelt, fasst ein Rohstoffindex Energie, Metalle und Agrarprodukte in einem einzigen Kennwert zusammen. Anleger nutzen ihn als Benchmark, um den Rohstoffmarkt insgesamt zu beobachten – oder sie investieren über ETFs direkt in einen solchen Index. Die vier meistgenutzten Rohstoffindizes weltweit sind der Bloomberg Commodity Index, der S&P GSCI, der CRB Index und der Rogers International Commodity Index.
Was ist ein Rohstoffindex – und wie wird er berechnet?
Ein Rohstoffindex misst die gewichtete Preisentwicklung ausgewählter Rohstoffe auf Basis von Terminkontrakten (Futures). Physische Bestände spielen dabei keine Rolle. Stattdessen kauft der Indexanbieter rechnerisch Futures auf Öl, Gold, Weizen und andere Rohstoffe und berechnet täglich einen Gesamtwert.
Die Gewichtung erfolgt bei den meisten Indizes nach Produktionsvolumen oder Handelsliquidität. Energieträger wie Rohöl und Erdgas machen dabei oft den größten Anteil aus, weil sie an den Terminmärkten am stärksten gehandelt werden. In der Praxis zeigt sich: Wer einfach „in Rohstoffe investiert“, hat je nach gewähltem Index ein sehr unterschiedliches Exposure – ein Detail, das viele Einsteiger unterschätzen.
Typische Rohstoff-Kategorien in einem Rohstoffindex:
- Energie: Rohöl (WTI, Brent), Erdgas, Heizöl
- Industriemetalle: Kupfer, Aluminium, Zink, Nickel
- Edelmetalle: Gold, Silber, Platin
- Landwirtschaft: Weizen, Mais, Soja, Baumwolle, Kaffee, Zucker
- Vieh: Rinder, Schweine (vor allem im CRB und S&P GSCI)
Die vier wichtigsten Rohstoffindizes im Überblick
Nicht jeder Rohstoffindex ist gleich aufgebaut. Zusammensetzung und Gewichtung unterscheiden sich erheblich – mit direkten Auswirkungen auf die Rendite und das Risikoprofil eines Investments.
Bloomberg Commodity Index (BCOM)
Der Bloomberg Commodity Index gilt als einer der ausgewogensten Rohstoffindizes. Laut Bloomberg (2026) enthält er aktuell rund 23 Rohstoffe aus sechs Sektoren. Keine einzelne Rohstoffgruppe darf mehr als 33 % des Index ausmachen, kein einzelner Rohstoff mehr als 15 %. Das begrenzt die Dominanz von Energie und sorgt für eine breitere Streuung. Energie kommt auf etwa 30 %, Metalle auf rund 35 %, Agrar auf ca. 35 % (Stand: April 2026). Der BCOM wird jährlich neu gewichtet.
S&P GSCI (Goldman Sachs Commodity Index)
Der S&P GSCI ist stark energielastig. Laut S&P Global (2026) entfallen aktuell rund 54 % des Index auf Energie – vor allem Rohöl und Heizöl. Der Index gewichtet nach dem weltweiten Produktionsvolumen der letzten fünf Jahre. Das macht ihn zu einem guten Spiegel der globalen Rohstoffproduktion, aber auch sehr anfällig für Ölpreisschwankungen. Wer den GSCI kauft, wettet stark auf Energiepreise.
Thomson Reuters/CoreCommodity CRB Index
Der CRB Index (Thomson Reuters CommodityResearchBureau) ist einer der ältesten Rohstoffindizes überhaupt – er existiert seit 1957. In seiner heutigen Form umfasst er 19 Rohstoffe. Energie macht etwa 39 % aus, Agrar rund 34 %, Metalle den Rest. Der CRB gilt als breiter und historisch gut dokumentierter Benchmark, wird im ETF-Bereich aber seltener abgebildet als BCOM oder GSCI.
Rogers International Commodity Index (RICI)
Der Rogers International Commodity Index wurde vom Investor Jim Rogers entwickelt und enthält mit 38 Rohstoffen das breiteste Spektrum der vier Indizes. Neben klassischen Positionen finden sich hier auch Gummi, Seide, Holz und Reis. Energie dominiert mit etwa 44 %, Agrar kommt auf rund 35 %, Metalle auf ca. 21 % (Stand: April 2026). Der RICI wird von wenigen spezialisierten Produkten abgebildet und ist im deutschen ETF-Markt weniger verbreitet.
| Index | Anzahl Rohstoffe | Energie-Anteil | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Bloomberg Commodity (BCOM) | ~23 | ~30 % | Cap-Regeln, ausgewogen |
| S&P GSCI | ~24 | ~54 % | Produktionsgewichtet, energielastig |
| CRB Index | 19 | ~39 % | Ältester Index, breite Historie |
| Rogers International (RICI) | 38 | ~44 % | Breitestes Spektrum, Nische |
Alle Angaben Stand: April 2026, Quellen: Bloomberg.com, spglobal.com
Warum Rohstoffindizes für ETF-Anleger relevant sind
Rohstoffindizes bieten Privatanlegern erstmals einen einfachen Zugang zu einem Markt, der früher professionellen Tradern vorbehalten war. Wer vor zehn Jahren direkt in Öl-Futures investieren wollte, brauchte ein Terminhandelskonto und erhebliches Kapital. Heute reicht ein ETF auf den Bloomberg Commodity Index.
Praktisches Beispiel: Angenommen, du investierst 10.000 Euro in einen BCOM-ETF. Steigt der Index um 8 %, wächst dein Depot um 800 Euro – ohne dass du einen einzigen Future selbst gehandelt hast. Gleichzeitig trägst du das Rollrisiko: ETFs müssen auslaufende Futures in neue umschichten (sog. „Rollen“), was in Phasen steigender Terminkurven (Contango) zu Verlusten führen kann. Diese Einschätzung basiert auf den aktuell verfügbaren Marktdaten.
Erfahrungsgemäß nutzen Anleger Rohstoffindizes vor allem für drei Zwecke:
- Inflationsschutz: Rohstoffpreise steigen oft mit der Inflation, weil Energie und Lebensmittel direkte Inflationstreiber sind.
- Diversifikation: Rohstoffe korrelieren langfristig schwach mit Aktien und Anleihen.
- Zyklisches Exposure: In wirtschaftlichen Aufschwungphasen steigen Industriemetalle oft stark.
Kritisch zu sehen ist die hohe Volatilität: Der S&P GSCI verlor 2020 über 30 % seines Wertes, als Ölpreise einbrachen. Wer ausschließlich auf einen energielastigen Index setzt, muss das einkalkulieren.
Welche ETFs bilden welche Rohstoffindizes ab?
Auf den deutschen und österreichischen Markt bezogen sind vor allem BCOM- und GSCI-basierte ETFs verfügbar. Laut justETF (Stand: April 2026) existieren hierzulande mehrere zugelassene UCITS-ETFs auf diese Indizes.
- Bloomberg Commodity Index: Invesco Bloomberg Commodity UCITS ETF, iShares Bloomberg Enhanced Roll Yield Commodity Swap UCITS ETF
- S&P GSCI: iShares S&P GSCI Commodity-Indexed Trust (US-Produkt, für EU-Anleger oft nicht direkt zugänglich), alternativ synthetische Swap-ETFs von Lyxor/Amundi
- CRB / RICI: Im UCITS-Segment kaum verbreitet; eher über Zertifikate abbildbar
Einen ausführlichen Vergleich aller verfügbaren Produkte mit Kosten, Tracking-Differenz und Fondsvolumen findest du im Artikel zu Rohstoff-ETFs auf dieser Seite.
Fazit: Welcher Rohstoffindex passt zu dir?
Wer breit in Rohstoffe investieren möchte, ohne stark von Ölpreisen abhängig zu sein, ist mit dem Bloomberg Commodity Index gut bedient. Der S&P GSCI eignet sich eher als bewusstes Energie-Overweight oder als konjunktursensibler Baustein. CRB und RICI spielen im ETF-Alltag eine Nebenrolle, sind aber als Benchmark und für historische Analysen wertvoll.
Entscheidend ist, dass du vor dem Kauf weißt, welchen Index dein ETF abbildet – und wie stark Energie darin gewichtet ist. Ein GSCI-ETF und ein BCOM-ETF verhalten sich in Rohölkrisen völlig unterschiedlich, auch wenn beide als „Rohstoff-ETF“ vermarktet werden.
Häufige Fragen
Was ist ein Rohstoffindex einfach erklärt?
Ein Rohstoffindex misst die gewichtete Preisentwicklung eines Korbs aus Rohstoffen wie Öl, Gold und Weizen – auf Basis von Futures. Er funktioniert wie ein Aktienindex, nur für Rohstoffmärkte.
Welcher Rohstoffindex ist der bekannteste?
Der S&P GSCI und der Bloomberg Commodity Index (BCOM) sind weltweit am meisten beachtet. Im ETF-Bereich ist der BCOM wegen seiner ausgewogeneren Gewichtung häufig die erste Wahl.
Kann man direkt in einen Rohstoffindex investieren?
Nicht direkt, aber über ETFs oder Zertifikate. UCITS-konforme ETFs auf den Bloomberg Commodity Index sind für deutsche Anleger an Börsen wie Xetra problemlos handelbar.
Was ist der Unterschied zwischen Bloomberg Commodity Index und S&P GSCI?
Der BCOM ist ausgewogener – Energie macht nur ~30 % aus. Der S&P GSCI gewichtet nach Produktion und hat ~54 % Energie. Bei Ölpreisschwankungen verhält sich der GSCI deutlich volatiler.
Was bedeutet Rollrisiko bei Rohstoff-ETFs?
ETFs müssen auslaufende Futures in neue umschichten. Kostet der neue Future mehr als der alte (Contango), entsteht ein Rollverlust. Das schmälert die Rendite, unabhängig vom Spotpreis.
Welche Rohstoffe sind in einem Rohstoffindex typischerweise enthalten?
Energie (Öl, Gas), Industriemetalle (Kupfer, Aluminium), Edelmetalle (Gold, Silber) und Agrarprodukte (Weizen, Mais, Soja). Die genaue Zusammensetzung variiert je nach Index.
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