Kurze Antwort: Die meisten Finanzexperten empfehlen einen Rohstoffanteil von 5 bis 15 Prozent des Gesamtportfolios. Konservative Anleger orientieren sich an der unteren Grenze von 5 Prozent, wachstumsorientierte Portfolios können bis zu 15 Prozent Rohstoffe enthalten. Laut einer Analyse von JPMorgan Asset Management (2025) verbesserten Rohstoffe in historischen Portfoliosimulationen die risikobereinigte Rendite messbar, wenn ihr Anteil zwischen 7 und 12 Prozent lag. Als Basisregel gilt: Je volatiler dein Gesamtportfolio bereits ist, desto niedriger sollte der Rohstoffanteil ausfallen. Edelmetalle wie Gold und Silber, Energierohstoffe und Industriemetalle zählen zu den wichtigsten Kategorien – und sie verhalten sich untereinander sehr unterschiedlich.
Warum Rohstoffe überhaupt ins Depot gehören
Rohstoffe sind Sachwerte, deren Preis unabhängig von Unternehmensgewinnen oder Zinsentscheidungen schwankt. Das macht sie zu einem echten Diversifikationsinstrument – also einem Mittel, um das Risiko im Portfolio zu streuen, ohne zwingend auf Rendite zu verzichten.
In der Praxis zeigt sich: Rohstoffe entwickeln sich in Phasen hoher Inflation oft besser als Aktien oder Anleihen. Laut World Gold Council (Q1 2026) legte der Goldpreis allein zwischen Januar 2024 und Mai 2026 um rund 38 Prozent zu – von etwa 1.900 US-Dollar (ca. 1.750 Euro) auf über 2.620 US-Dollar (ca. 2.410 Euro) pro Unze (Stand: Mai 2026). Wer im Januar 2024 eine Unze Gold für rund 1.750 Euro gekauft hat, hält heute einen Wert von etwa 2.410 Euro – ein Plus von rund 38 Prozent in gut zwei Jahren.
Korrelation ist dabei der Schlüsselbegriff: Er beschreibt, wie stark sich zwei Anlageklassen gleichzeitig in dieselbe Richtung bewegen. Rohstoffe haben historisch eine niedrige Korrelation zu Aktien, was bedeutet, dass sie im Depot stabilisierend wirken können, wenn Börsen unter Druck geraten. Bloomberg-Daten zufolge lag die durchschnittliche Korrelation des Bloomberg Commodity Index zum MSCI World zwischen 2019 und 2025 bei lediglich 0,27 – ein Wert deutlich unter 1, der echte Diversifikation belegt.
Wie viel Prozent Rohstoffe sind für welchen Anlegertyp sinnvoll?
Die optimale Rohstoffquote hängt stark von deiner Risikobereitschaft, deinem Anlagehorizont und der Zusammensetzung deines restlichen Depots ab. Eine pauschale Zahl gibt es nicht – aber es gibt bewährte Orientierungswerte.
| Anlegertyp | Empfohlener Rohstoffanteil | Typische Rohstoffe |
|---|---|---|
| Konservativ | 5–7 % | Gold, Silber |
| Ausgewogen | 7–12 % | Gold, Silber, Rohstoff-ETFs |
| Wachstumsorientiert | 10–15 % | Industriemetalle, Energie, Edelmetalle |
| Spekulativ | bis 20 % (mit höherem Risiko) | Einzelrohstoffe, Hebelprodukte |
Ein konkretes Rechenbeispiel: Wer ein Depot von 50.000 Euro besitzt und einen ausgewogenen Ansatz verfolgt, investiert rund 5.000 bis 6.000 Euro in Rohstoffe. Davon könnten 60 Prozent in Gold fließen (ca. 3.000–3.600 Euro), 25 Prozent in breit gestreute Rohstoff-ETFs und 15 Prozent in Silber oder Industriemetalle. Diese Aufteilung hat sich erfahrungsgemäß als solide Basis bewährt, ohne das Portfolio zu sehr in eine Richtung zu ziehen.
Kritisch zu sehen ist ein Rohstoffanteil über 20 Prozent: Rohstoffe zahlen keine Dividenden oder Zinsen. Sie generieren keinen laufenden Cashflow – ihr Wert hängt allein von Angebot und Nachfrage. Wer zu stark auf Rohstoffe setzt, verzichtet auf Erträge, die andere Anlageklassen liefern.
Welche Rohstoffe eignen sich für die Depotbeimischung?
Nicht jeder Rohstoff ist gleich gut für Privatanleger geeignet. Die Auswahl hängt von Lagerbarkeit, Liquidität und Preistransparenz ab.
Gold ist die klassische Beimischung. Laut World Gold Council (Q1 2026) hielten Zentralbanken weltweit über 36.000 Tonnen Gold als Reserve – ein Zeichen für die anhaltende institutionelle Nachfrage. Gold eignet sich als Inflationsschutz und Krisenabsicherung.
Silber bezeichnet einen Rohstoff mit doppelter Funktion: Als Edelmetall und als Industrierohstoff – etwa für Solarpanele und Elektronik. Nach WPIC-Daten (2026) wächst die industrielle Silbernachfrage durch die Energiewende weiter. Das macht Silber volatiler als Gold, bietet aber auch mehr Kurspotenzial.
Rohstoff-ETFs – also börsengehandelte Fonds, die einen Rohstoffindex abbilden – sind für die meisten Privatanleger der praktischste Einstieg. Sie bieten breite Streuung ohne physische Lagerung. Zu beachten ist die sogenannte Contango-Situation: Wenn Futures (Terminkontrakte auf künftige Lieferung) teurer sind als der aktuelle Spotpreis, entstehen beim Rollieren der Kontrakte Kostennachteile, die die Rendite schmälern.
Energierohstoffe wie Öl oder Erdgas sind für langfristige Privatanleger weniger geeignet, da ihre Preise stark von geopolitischen Ereignissen abhängen und die Contango-Problematik besonders ausgeprägt ist.
Rohstoffanteil regelmäßig überprüfen und anpassen
Am Markt hat sich bewährt, den Rohstoffanteil mindestens einmal jährlich zu überprüfen. Rohstoffpreise können innerhalb kurzer Zeit stark steigen oder fallen – das verschiebt die ursprüngliche Gewichtung im Depot automatisch.
Rebalancing bezeichnet den Prozess, bei dem du Übergewichtungen abbaust und Untergewichtungen aufstockst, um zur Zielallokation zurückzukehren. Wer das konsequent betreibt, kauft Rohstoffe automatisch nach Kursrückgängen günstiger nach – ein disziplinierter Ansatz, der emotional getriebene Fehlentscheidungen reduziert.
Diese Einschätzung basiert auf den aktuell verfügbaren Marktdaten (Stand: Mai 2026). Edelmetalle und andere Rohstoffe unterliegen Kursschwankungen – vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.
Fazit: Der richtige Rohstoffanteil ist individuell – aber 5 bis 15 Prozent sind ein solider Rahmen
Für die meisten Privatanleger im deutschen Markt gilt: Ein Rohstoffanteil zwischen 5 und 15 Prozent verbessert die Risikostreuung, ohne das Portfolio zu dominieren. Gold und Silber als physische Metalle oder über ETFs sind der sinnvollste Einstieg. Wer bereits ein aktienstarkes Depot hat, profitiert besonders von der niedrigen Korrelation der Rohstoffe zu Aktienmärkten. Wer hingegen überwiegend in festverzinsliche Anlagen investiert, kann den Rohstoffanteil eher niedriger halten.
Der entscheidende Punkt: Regelmäßig rebalancieren, keine Übergewichtung über 20 Prozent, und die eigene Risikobereitschaft ehrlich einschätzen. Das ist die Basis für eine sinnvolle Rohstoff-Beimischung.
Häufige Fragen
Wie viel Prozent Rohstoffe sollte ein Einsteiger im Portfolio haben?
Einsteiger starten am besten mit 5 bis 7 Prozent Rohstoffanteil, idealerweise über Gold oder einen breit gestreuten Rohstoff-ETF. Das begrenzt das Risiko und schafft erste Erfahrungen mit der Anlageklasse.
Welche Rohstoffe eignen sich am besten für die Depotbeimischung?
Gold und Silber sind für Privatanleger am geeignetsten – physisch oder über ETFs. Sie sind liquide, transparent bepreist und bieten echten Inflationsschutz. Rohstoff-ETFs ermöglichen zusätzlich eine breite Streuung.
Ist ein Rohstoffanteil von 20 Prozent zu viel?
20 Prozent gelten als Obergrenze für wachstumsorientierte Anleger. Rohstoffe zahlen keine Dividenden, daher leidet bei höheren Anteilen der laufende Ertrag des Portfolios spürbar.
Wie oft sollte ich meinen Rohstoffanteil im Depot überprüfen?
Mindestens einmal jährlich, besser halbjährlich. Starke Preisbewegungen bei Rohstoffen verschieben die Gewichtung schnell – regelmäßiges Rebalancing bringt das Portfolio zur Zielallokation zurück.
Zählen Rohstoffaktien zum Rohstoffanteil im Portfolio?
Nein. Aktien von Bergbau- oder Energieunternehmen sind Aktien, keine Rohstoffe. Sie korrelieren stärker mit dem Aktienmarkt als mit Rohstoffpreisen und ersetzen keine direkte Rohstoffbeimischung.
Die Redaktion von rohstoff-geldanlagen.de berichtet seit 2019 über Edelmetalle, Rohstoff-ETFs und alternative Anlagestrategien. Unser Fokus liegt auf verständlichen Analysen für Privatanleger im deutschsprachigen Raum. Wir beschäftigen uns mit den Themen Edelmetalle, Rohstoffinvestitionen und Vermögensschutz. Alle Informationen werden regelmäßig aktualisiert.
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