Der Bloomberg Commodity Index (BCOM) ist ein breit diversifizierter Rohstoffindex, der die Preisentwicklung von Futures-Kontrakten auf über 20 physische Rohstoffe abbildet. Er umfasst die Sektoren Energie, Metalle, Agrarrohstoffe und Vieh — gewichtet nach Liquidität und wirtschaftlicher Bedeutung. Stand Mai 2026 besteht der BCOM aus 24 Rohstoffen, verteilt auf sechs Hauptsektoren. Kein einzelner Rohstoff darf mehr als 15 Prozent des Index ausmachen, kein Sektor mehr als 33 Prozent. Diese Diversifikationsregeln machen den BCOM zu einem der methodisch ausgewogensten Rohstoffindizes weltweit.
Wie funktioniert der Bloomberg Commodity Index?
Der BCOM bildet keine Kassapreise ab, sondern setzt auf Futures-Kontrakte — also standardisierte Terminverträge auf die zukünftige Lieferung eines Rohstoffs. Das ist ein entscheidender Unterschied, den Anleger kennen sollten.
Ein Futures-Kontrakt hat ein Ablaufdatum. Damit der Index investierbar bleibt, werden die Kontrakte regelmäßig „gerollt“: Auslaufende Positionen werden verkauft und durch Kontrakte mit späterer Fälligkeit ersetzt. Dieses Rollen kostet Geld — oder bringt es ein. Wenn zukünftige Preise höher sind als der aktuelle Spotpreis, spricht man von einer Contango-Situation. Das ist die häufigere und für Indexanleger ungünstigere Variante, weil jedes Rollen einen kleinen Verlust bedeutet. Im umgekehrten Fall — Backwardation — profitieren Anleger beim Rollen.
Bloomberg aktualisiert die Gewichtungen einmal jährlich im Januar, basierend auf Liquiditätsdaten der Vorjahre und den weltweiten Produktionsmengen. Laut Bloomberg-Methodik (Stand: Mai 2026) fließen Produktionsgewichtung und Handelsvolumen je zur Hälfte in die Berechnung ein.
Zusammensetzung des BCOM: Welche Rohstoffe sind enthalten?
Die Zusammensetzung des Bloomberg Commodity Index spiegelt die globale Rohstoffwirtschaft wider — von Erdöl bis Weizen. Die folgende Tabelle zeigt die sechs Hauptsektoren mit ihren ungefähren Gewichtungen (Stand: Mai 2026, Quelle: Bloomberg Index Services):
| Sektor | Wichtigste Rohstoffe | Gewichtung (ca.) |
|---|---|---|
| Energie | WTI-Rohöl, Brent, Erdgas, Heizöl | ~30 % |
| Industriemetalle | Kupfer, Aluminium, Zink, Nickel | ~17 % |
| Edelmetalle | Gold, Silber | ~18 % |
| Agrarrohstoffe (Weich) | Mais, Sojabohnen, Weizen, Zucker | ~22 % |
| Vieh | Lebendvieh, Mastrinder | ~6 % |
| Softs | Kaffee, Baumwolle | ~7 % |
In der Praxis zeigt sich, dass die Energiekomponente die kurzfristige Indexperformance am stärksten treibt. Wer den Markt beobachtet, weiß: Steigt der Ölpreis um zehn Prozent, zieht der BCOM merklich mit — selbst wenn Agrar- und Metallpreise seitwärts laufen.
BCOM vs. andere Rohstoffindizes: Was macht ihn besonders?
Der Bloomberg Commodity Index konkurriert vor allem mit dem S&P GSCI (Goldman Sachs Commodity Index). Der entscheidende Unterschied liegt in der Gewichtung. Der S&P GSCI ist stark energielastig — Öl und Gas machen dort bis zu 60 Prozent aus. Der BCOM begrenzt Energie auf etwa 33 Prozent und bietet so ein deutlich ausgeglicheneres Risikoprofil.
Nach Daten von Bloomberg Index Services erzielte der BCOM im Zeitraum 2020 bis 2025 eine annualisierte Rendite von rund 4,8 Prozent in US-Dollar — mit erheblicher Volatilität in Phasen geopolitischer Spannungen. Das spricht für den BCOM als Diversifikationsbaustein, nicht als Hauptanlage.
Kritisch zu sehen ist: Durch den Futures-Ansatz weicht die Indexrendite teils deutlich vom Spotpreis-Anstieg ab. Ein Anleger, der im Januar 2022 per BCOM-ETF in Rohstoffe investiert hat, erzielte bis Mai 2026 je nach Roll-Verlusten und Währungseffekten eine andere Rendite als jemand, der physisches Gold oder Kupfer gehalten hätte.
Wie kannst du als Anleger in den BCOM investieren?
Direktinvestitionen in den Index sind nicht möglich. Zugang bekommst du über drei Wege:
- BCOM-ETFs und ETCs: Produkte wie der iShares Bloomberg Roll Select Commodity Swap UCITS ETF oder der Invesco Bloomberg Commodity UCITS ETF bilden den Index kostengünstig nach. Laufende Kosten liegen meist zwischen 0,19 und 0,35 Prozent jährlich (TER).
- Strukturierte Produkte: Banken bieten Zertifikate auf den BCOM an — mit oder ohne Kapitalschutz, aber mit Emittentenrisiko.
- Aktiv gemanagte Rohstoffonds: Diese nutzen den BCOM häufig als Benchmark, weichen aber aktiv davon ab.
Ein konkretes Praxis-Szenario: Ein Anleger investiert im Januar 2024 über einen BCOM-ETF 10.000 Euro. Der BCOM stieg bis Mai 2026 in Euro gerechnet um rund 11 Prozent (Quelle: Bloomberg, eigene Umrechnung auf EUR/USD-Basis, Stand Mai 2026). Das ergibt einen Endwert von ungefähr 11.100 Euro — vor Steuern und Produktkosten. Erfahrungsgemäß fressen Rollverluste in Contango-Phasen 1 bis 2 Prozentpunkte pro Jahr ab. Edelmetalle unterliegen zudem Kursschwankungen; diese Einschätzung basiert auf den aktuell verfügbaren Marktdaten und ersetzt keine individuelle Anlageberatung.
Stärken und Schwächen des Bloomberg Commodity Index auf einen Blick
Der BCOM überzeugt mit breiter Diversifikation und klar geregelter Methodik — hat aber auch reale Nachteile, die du kennen solltest.
- Stärken: Breite Streuung über sechs Sektoren, Konzentrationslimit pro Rohstoff (max. 15 %), jährliche regelbasierte Anpassung, hohe Liquidität der enthaltenen Futures-Märkte.
- Schwächen: Rollkosten in Contango-Phasen schmälern die Rendite, Währungsrisiko für Euro-Anleger (Index läuft in USD), keine direkte Beteiligung an Spotpreisen, komplexe Methodik erschwert Vergleiche.
Der Bloomberg Commodity Index ist ein solides Werkzeug zur Rohstoffdiversifikation. Wer ihn versteht — Futures-Mechanik, Rollproblematik, Währungseinfluss — kann ihn sinnvoll im Portfolio einsetzen. Wer ihn blind kauft, erlebt manchmal Enttäuschungen gegenüber den Spotpreisen, die er in den Nachrichten sieht. Laut Bloomberg Index Services (Stand: Mai 2026) wird die Methodik jährlich überprüft und bei Bedarf angepasst, um Marktveränderungen Rechnung zu tragen. Am Markt hat sich bewährt, den BCOM nicht als Einzelinvestment, sondern als Beimischung von 5 bis 15 Prozent im Gesamtportfolio zu nutzen.
Häufige Fragen
Was ist der Bloomberg Commodity Index (BCOM)?
Der BCOM ist ein diversifizierter Rohstoffindex, der Futures auf über 20 Rohstoffe aus den Sektoren Energie, Metalle und Agrar abbildet. Kein Rohstoff darf mehr als 15 Prozent, kein Sektor mehr als 33 Prozent ausmachen.
Wie oft wird der Bloomberg Commodity Index neu gewichtet?
Der BCOM wird einmal jährlich im Januar neu gewichtet. Grundlage sind Liquiditätsdaten und globale Produktionsmengen des Vorjahres, veröffentlicht von Bloomberg Index Services.
Wie kann ich in den BCOM investieren?
Du kannst über BCOM-ETFs, ETCs oder Zertifikate in den Index investieren. Direkte Indexinvestitionen sind nicht möglich. ETF-Kosten liegen meist zwischen 0,19 und 0,35 Prozent TER jährlich.
Was ist der Unterschied zwischen BCOM und S&P GSCI?
Der S&P GSCI gewichtet Energie mit bis zu 60 Prozent, der BCOM begrenzt sie auf rund 33 Prozent. Der BCOM ist damit deutlich breiter diversifiziert und weniger vom Ölpreis abhängig.
Was sind Rollverluste beim BCOM?
Rollverluste entstehen, wenn auslaufende Futures durch teurere Kontrakte ersetzt werden (Contango). Das schmälert die Indexrendite gegenüber dem reinen Spotpreis-Anstieg — oft um 1 bis 2 Prozentpunkte jährlich.
Welcher Rohstoff hat das höchste Gewicht im Bloomberg Commodity Index?
Stand Mai 2026 gehören Rohöl (WTI und Brent), Gold und Kupfer zu den schwergewichtigsten Einzelkomponenten. Kein Rohstoff darf laut Regelwerk 15 Prozent des Indexgewichts überschreiten.
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